Ahnenforschung in Polen

Daß meine Vorfahren mütterlicherseits aus dem Gebiet der heutigen Republik Polen stammen, war mir seit langem bekannt. Bekannt war mir auch ein Ort namens „Neudorf“. Toll, diesen Ort gibt es in Polen gefühlte 237 mal. Wo beginnen?

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Kürzlich hatte ich einen Termin beim Perleberger Standesamt um Licht in dieses Dunkel zu bringen. Die Standesbeamtin konnte für mich in Erfahrung bringen, das meine Großmutter in „Neudorf, Kreis Brest-Litowsk“ geboren sei.

Damit wurde die Zahl der möglichen „Neudorfs“ schonmal stark eingegrenzt. Die nun folgende Recherche war anfangs nicht einfach, zumal sich Teile dieses Ortes heute auf dem Territorium Weißrußlands befinden. Irgendwie bin ich dann über die Webseiten „bugholendry.de“ und „wolhynien.de“ auf die Seiten des Hauptarchivs Warschau gestoßen. Und Tatsache, da waren sie, die Neudorfer Kirchenbücher in digitaler Form! In kürzester Zeit fand ich den Taufeintrag meiner Großmutter (Nr. 75). Für mich ein Meilenstein.

Bei meinem Besuch im Perleberger Standesamt erhielt ich einen Hinweis darauf, daß mein Großvater 1975 tot erklärt wurde, gleich mit dem Hinweis mich an das Standesamt I in Berlin zu wenden. Gesagt, getan. Gut 3 Wochen später hielt ich eine Kopie des Todeserklärungsbeschlusses des Kreisgerichtes Perleberg in den Händen. Da auch ein Aktenzeichen vorhanden war sollte doch auch die Verfahrensakte noch vorhanden sein? Eine kurze nette Mail ans Amtsgericht brachte Gewißheit, sie ist vorhanden und ich darf sie einsehen. Damit nicht genug, ich erhielt auch einige Kopien daraus.

Mit den Geburtsdaten meines Großvaters fand ich dann schließlich seinen Taufeintrag (Nr. 105). Aus dem Todeserklärungsbeschluß erfuhr ich auch das Trauungsdatum meiner Großeltern. Aber wie an ein Dokument kommen? Auf der Website des Warschauer Hauptarchives gibt es einen Hinweis darauf, daß sich Personenstandsbücher welche jünger sind als 100 Jahre sich im Standesamt Warschau befinden. Eine kurze nette Mail in polnischer Sprache brachte auch hier Gewißheit: die Trauungsdaten meiner Großeltern waren ebenso vorhanden wie die Geburtsdaten meiner Mutter.

Benötigen würde man jedoch jedoch einen handschriftlich unterschriebenen (formlosen) Antrag sowie einen Nachweis der direkten Verwandtschaft und den Nachweis der Einzahlung von 66.- PLN. Alles kein Problem, Kopien der erforderlichen Unterlagen gemeinsam mit dem Zahlungsnachweis eingetütet und ab die Post per Einschreiben nach Warschau! Heute erhielt ich meine lange ersehnten Unterlagen… So einfach kann Ahnenforschung in polnischen Standesämtern sein 🙂

Es sollten allerdings folgende Tips beherzigt werden:

  • Die Korrespondenz kann ausschließlich in polnischer Sprache erfolgen. Ein paar Grundkenntnisse der polnischen Sprache sollten daher vorhanden sein. Google Translator ist mit Vorsicht zu genießen.
  • Mails sollten „offiziellen“ Charakter haben, das heißt vollständige Namens- und Adreßangaben müssen enthalten sein.
  • Die direkte Nachkommenschaft ist mittels geeigneter Unterlagen (Kopien davon) zu belegen.
  • Es werden keine Fotokopien erstellt. Daher sollten Sie  „vollständige Abschriften“ beantragen, dies ist zwar die teuerste Variante (zur Zeit 33.- PLN pro Dokument), aber auch die aussagekräftigste. Die Ausfertigung erfolgt komplett in polnischer Sprache.

P. S. Meine Forschung in Polen beschränkt sich (bisher) ausschließlich auf das Gebiet um Neudorf am Bug (polnisch: Mościce), welches sich heute im Grenzgebiet von Polen zu Weißrußland befindet. Daher ist die Zahl der auszuwertenden Kirchenunterlagen recht überschaubar. Dagegen machen es die vielen gleichen Familiennamen und Vornamen einem manchmal nicht einfach… 😉

12 Gedanken zu „Ahnenforschung in Polen

    1. Mario

      Witam,

      tak! 🙂 mój dziadek pochodził z rodziny o przydomku Ryl-Galoca, moja babcia Joanna Ryl ur. Ryl pochodziła z rodziny o przydomku Ryl-Pasieczny. Moja mama urodziła się w Moscice gorne (Nejbrow) 😉

      Pozdrowienia,

      Mario

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  1. Alexander Kaczmarczyk

    Hallo Mario,

    bin eben auf Deine Seite gestoßen. Ich recherchiere den FN HOLZMANN in und um Neudorf. Personendaten aus den Kirchenbüchern und Personenstandsregistern sind mir zwar inzwischen bekannt; was ich bislang aber noch nicht herausfinden konnte, ist der Nachweis einer Mühle. Mein Urgroßvater Adolf Holzmann (* 1873 in Krasnopol-Suwalki, verh. m. Anna geb. Müller) soll zwischen ca. 1885 und ca. 1910 Mühlenbaumeister und Mühlenbesitzer in bzw. in der Umgebung von Neudorf, später in Grodno gewesen sein. Er ließ einige seiner Kinder in der evangelisch-augsburgischen Kirche taufen, wobei der Jahrgang 1906, das Geburtsjahr meiner Großmutter Martha Johanna Holzmann, fehlt (?).

    Ist Dir bei Deinen Recherchen mal etwas begegent, was hieran anschließen könnte? Ich wäre Dir für jeden Hinweis dankbar.

    Beste Grüße
    Alexander

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  2. Mario

    Hallo Alexander,

    ich fürchte daß ich Dir nicht großartig weiterhelfen kann. Der Name „Holzmann“ ist mir selbst noch nicht untergekommen. Meine Vorfahren vom Bug waren alle Landwirte. Was Deine Großmutter anbelangt, würde sich sicher eine Anfrage beim Standesamt in Warschau lohnen. Ich halte es durchaus für möglich, daß sich die Kirchenbücher aus dem Jahre 1906 noch dort befinden. Maßgebend ist immer das Datum des letzten Eintrages, ab diesem beginnt die 100-Jahres-Frist zu laufen. Kirchenbücher welche per Mikrofilm (lückenhaft) bei der LDS-Kirche einsehbar sind, sind m. E. Zweitschriften. Hier die Adresse:

    Urząd Stanu Cywilnego m. st. Warszawy. Wydział III Rejestrowy i Ksiąg Zabużańskich, ul. ks. I. Kłopotowskiego 1/3, 03-718 WARSZAWA

    Leider sind dort keine Fotokopien erhältlich, lediglich vollständige Abschriften. Aber besser als nichts.

    Viele Sonntagsgrüße!

    Mario

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  3. zelent

    gruess dich Mario,
    bin zufaellig auf deine seite gestossen da wir beide anscheinnend vorfahren in neudorf haben.
    ist mein erster tag in der „ahnenforschung“ so fern war es ein unerwarted „erfolgreicher“ tag –
    suchte nach grossmutters geburts record und wurde gleich fuendig.
    Wanda Zelent (selent) – Krystuszek
    habe vieeeeeel zu lernen – vielleicht hast du zeit fuer ein paar tips
    tschuess detleff

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      1. detleff

        hallo Mario,
        habe heute deine Webseite besichtigt und bewundert. Es ist unglaublich was du da an wissen zusammen getragen hast.
        Seit meiner letzten email hat sich bei mir leider, in Bezug Fahnenforschung, nicht viel getan. habe zwar alle erhältlichen kirchentreuer von Neudorf gefunden tue mir jedoch sehr schwer damit verlässliche Familien Verbindungen zu erkennen. die Tatsache das die Kirchenbücher teilweise in russisch und polish geschrieben sind macht es auch nicht leichter. Aber wie du schon geschrieben hast es ist wirklich wie ein Virus, ha ha ha.
        ich werde mich dieses Jahr zur ruhe setzen und hoffe dann mehr über meine vorfahren in
        Erfahrung zu bringen.
        mit freundlichen gruss
        detleff

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